1. Was soll ich sammeln?

1. Was soll ich sammeln?

Nur Münzen, nur Medaillen oder beides?
Nur in Polierter Platte oder auch in der Erhaltung sehr schön?

Derartige Fragen stellt sich der numismatische Anfänger schon nach kurzer Zeit.

Wichtig ist für den Anfänger erst einmal, dass er versucht die Gründe für seine Sammelleidenschaft ein wenig zu ermitteln. Sammelt er nur zum Zwecke der Gewinnerzielung, sollte er sein Geld vielleicht besser in Aktien oder Fonds investieren. (Dies galt vor der Finanzkrise). Steht jedoch die Freude an der künstlerischen Gestaltung dieser zweidimensionalen Metallgepräge im Vordergrund, dann gehört er meiner Meinung nach zur Gilde der SAMMLER. Meine Ausführungen dienen in erster Linie dazu, den noch etwas unerfahrenen SAMMLER zu beraten.

Was soll dieser SAMMLER nun zusammentragen? Recht einfach, das was ihm gefällt und was er sich leisten kann. Jeder sollte beim Sammeln nach seiner Facon selig werden.  Jeder sollte die Erhaltungsgrade sammeln, die ihm gefallen. Natürlich ist dabei zu bedenken, dass bessere Erhaltungen später einmal beim möglichen Verkauf höhere Preise erzielen. Aber wer denkt schon als engagierter Sammler beim Erwerb nur an den Verkauf? Wer Euro-Münzen sammeln will, aus Spaß an der Freude an diesen neuen Münzen, der soll dies ruhig tun. Hoffentlich erwartet er beim späteren Verkauf der Euro-Münzen keine riesigen Gewinne. Seien sie sehr kritisch gegenüber den Gewinnversprechungen von Händlern. Kein Händler wird ihnen derartige Gewinne garantieren.

Doch bevor man sich für ein Gebiet entscheidet, sollte man versuchen, sich einen Überblick über das reichhaltige Angebot der Numismatik zu verschaffen. Neben der Ausrichtung der Sammlung nach Ländern und Zeiträumen, kann auch das Sammeln bestimmter Nominale, also nur Pfennige oder nur Taler, recht reizvoll sein. Das Sammeln bestimmter Motive oder Themen hat für mich jedoch einen besonderen Reiz, der in der künstlerischen Vielfalt begründet liegt, die eine solche Sammlung bieten kann. So bietet zum Beispiel das Gebiet „Münzen und Medaillen der Wissenschaft“ nicht nur eine Vielzahl sehr reizvoller unterschiedlicher Motive, es wurden auch viele unterschiedliche Materialien für die Herstellung von Münzen als auch Medaillen genutzt. Weiterhin hat fast jeder bekannte Künstler seine Fertigkeiten in diesem Bereich unter Beweis gestellt. Über die Jahrhunderte mit ihren verschiedenen Stilrichtungen ergibt sich auf diese Weise eine wahrhaft museumsreife Vielfalt. Daher empfehle ich dem Anfänger das Studium des möglichen Sammelgebietes in numismatischen Zeitschriften, Katalogen und Fachpublikationen. Häufig weis man als Anfänger nur wenig über die Vielfalt von Motiven, Materialien, Stilrichtungen und über die Ausdrucksformen unterschiedlicher Künstler. Im folgenden Abschnitt geben ich einige Hinweise, welche Möglichkeiten zur Literaturbeschaffung das Internet bereits bietet.

Häufig kann man sich auch mittels ausgedienter Auktionskataloge älterer Sammler einen guten Überblick über ein Sammelgebiet verschaffen. Angebote findet man in Internetauktionen wie ebay  oder in Münzzeitschriften. Das Studium von Auktionskatalogen und Verkaufslisten gibt dem SAMMLER einen Überblick über die Häufigkeit der von ihm gesuchten Stücke. Die Häufigkeit beeinflusst ja bekanntlich den Preis. Der Händler neigt dazu, das Vorkommen eines Stückes zu seinen Gunsten zu bewerten. Viel zu oft findet man in Auktionskatalogen oder Verkaufslisten die Bezeichnung „selten“ für Stücke, die diese Bezeichnung nicht verdienen.

Das so erworbene Wissen kann dem SAMMLER viel Geld sparen. Er lernt, wie er möglichst günstig seine Sammelstücke erwirbt. Die gewonnenen Kenntnisse werden ihn auch für die Einflüsterungen von Spekulanten weniger anfällig machen. Dies gilt insbesondere beim Kauf von Medaillen, für deren Wert es eine sehr große Spannweite gibt. Die Preisgestaltung kennt hier keine so engen Grenzen wie bei Münzen. Medaillen und ihre Preise sind nicht (oder nur selten) in Katalogen oder Listen erfasst. Der Anfänger wird sich deshalb mit der Beurteilung schwer tun, ob der Preis für eine Medaille gerechtfertigt ist oder nicht. Erst die eigene, oft schmerzhafte Erfahrung oder die rechtzeitige Anleitung durch einen erfahrenen Sammlerfreund kann ihm helfen, überhöhte Preise zu vermeiden und Spekulationsprägungen zu erkennen. Dies gilt für Münzen wie auch Medaillen.

Vor dem Erwerb  moderner „Spekulationsprägungen“ möchte ich ebenfalls warnen. Unter Spekulationsprägungen verstehe ich Münzen, die offiziell von unbekannten Kleinstaaten herausgegeben wurden, dieses Land aber nie gesehen haben, da sie in einer der großen Prägeanstalten der Industriestaaten hergestellt wurden. Teilweise in Nominalen, die über dem monatlichem oder gar jährlichen Durchschnittseinkommen der Bevölkerung des verausgabenden Landes liegen. Selbst die geringe Auflage von nur wenigen tausend Exemplaren muss erst einmal ihre Abnehmer finden. Machen sie die Probe und bieten Sie derartige Münzen einem Händler an. Wenn der am Ankauf keinerlei Interesse zeigt, obwohl diese Münzen in seinem Angebot sind, dann lassen sie besser vom Ankauf die Finger. Es sei denn, sie erwerben das Stück im Bewusstsein eines Verlustes, möchten aber das Motiv ihrer Sammlung zufügen. Das ist dann ihre persönliche Entscheidung.

Spekulationsprägungen von Medaillen erkennt man am besten am möglichen Auftraggeber für die Prägung. Ist dies die Prägeanstalt selbst (z.B. bei Serien wie unsere Bundespräsidenten, unsere Kanzler, wichtige historische Ereignisse u.s.w.), so ist eine gewisse Zurückhaltung geboten, insbesondere bei extremen Preisvorstellungen. Wie viele solcher Serien zum Verkaufspreis von mehr als 1000 EURO finden in eBay keinen Abnehmer selbst für 50 EURO.

Wurde die Medaille jedoch von einer Institution zu deren Jubiläum veranlasst, so wird häufig diese Institution als Auftraggeber fungieren. In solchen Fällen sind weniger Zweifel angebracht. Historische Medaillen, die anlässlich eines besonderen Ereignisses geprägt wurden, ergänzen in besonderer Weise jede Münzsammlung eines bestimmten Gebietes oder Herscherhauses. In letzter Zeit erzielen derartige Medaillen höhere Zuschläge als seltene Münzen aus der gleichen Zeit. Die künstlerische Gestaltung von Medaillen ist eben häufig wesentlich ansprechender als die Gestaltung des Massenproduktes Münze.

Einige Beispiele von Kunstmedaillen (2. und 3. Menüpunkt von rechts) von namhaften Künstlern sollen aufzeigen, welche künstlerisch interessanten Medaillenprägungen es sowohl aus der Vergangenheit als auch aus der Gegenwart gibt. Die Preise für derartige Medaillen liegen häufig nicht höher als die PP Ausgaben moderner Gedenkmünzen. Die Gestaltung der Gedenkmünzen ist hingegen zum Teil recht einfältig.

Das 10 EURO Stück zum Thema 50 Jahre Deutsches Fernsehen sehe ich persönlich als Gipfel der Einfallslosigkeit. Vielleicht hat aber der Künstler damit auch den Mangel an Kreativität des Fernsehens zum Ausdruck bringen wollen???

Da  Kunstmedaillen häufig als Gussmedaillen ausgeführt werden, ist ihre Auflage sehr gering. Teilweise werden weniger als 50 Exemplare gefertigt. Dies kann zu interessanten Wertsteigerungen führen. Derartige Wertsteigerungen hängen natürlich auch von der künstlerischen Qualität der Ausführung ab und ob das Motiv oder der Künstler viele Sammler anspricht.

Bei derartigen Überlegungen sollte man sich immer vergegenwärtigen, dass der Preis einer Münze oder einer Medaille im wesentlichen durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Natürlich sollten diese Überlegungen je nach Veranlagung des Sammlers eine mehr oder weniger große Rolle spielen, wichtig ist nur, dass man sich diese Zusammenhänge vor Augen hält, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

Im Prinzip ist zwar die Grenze zwischen Münze und Medaille recht klar gezogen, die Münze weist immer einen Nennwert aus. Die Medaille ist nur ein Schaustück. Aber haben Gedenkmünzen, die auch bereits vor über 100 Jahren verausgabt wurden und nie im Zahlungsverkehr gebraucht worden sind, nicht einen ähnlichen Charakter wie eine Medaille? Wo befindet sich die Grenze zur Pseudomünze?

Andererseits diente auch manche Massenprägung aus Aluminium des vorigen Jahrhunderts rein kommerziellen Zwecken. Sie wurde nicht als besonderes Sammelobjekt erkannt und verschwand häufig im Abfallbehälter. Heute ist sie jedoch ein interessantes Zeugnis der damaligen Zeit, mit vielleicht historischem Hintergrund durch die Abbildung eines im Krieg zerstörten Gebäudes. Ist sie doch zu dessen Jubiläum veranlasst worden. Ein solches Stück kann schnell über den damaligen Wert hinaussteigen, wenn sich z.B. mehrere Sammler dafür interessieren und sich auf einer Auktion gegenseitig überbieten. Die Erzielung des Vielfachen des Schätzwertes ist dann keine Seltenheit.

Das letzte Beispiel soll zeigen, dass die totale Ablehnung moderner Medaillenprägungen nicht immer berechtigt sein muss. Wenn derartige Medaillen von Auftraggebern zu bestimmten Anlässen veranlasst und durch namhafte Künstler realisiert wurden, können moderne Prägungen durchaus ihren Reiz haben und auch eine mögliche Wertsteigerung versprechen.

Die letzten Beispiele zeigen deutlich, dass man nicht pauschal eine Bewertung von Münzen oder Medaillen ausführen kann. Man sollte immer das einzelne Stück betrachten und versuchen, den Wert der Prägung zu ermitteln und dann die Kaufentscheidung zu treffen.

Wichtig ist, dass man angebotene Stücke bezüglich ihres Charakters (Münze, Medaille, Pseudoprägung etc.) kritisch hinterfragt, um sich auf diese Weise vor einer Fehlentscheidung zu bewahren. Dann wird das Sammeln auch weiter Freude machen.

Zum besseren Verständnis meiner Ausführungen möchte ich an Hand eines Beispiels von zwei Medaillen auf Friedrich dem Grossen aufzeigen, weshalb ich die eine für künstlerisch wertvoll und die andere für weitaus weniger gelungen halte.

Die erste Medaille wurde im Auftrage der Tierärztlichen Hochschule Berlin zur Verleihung an deren Ehrenbürger geschaffen. Das Porträt von Friedrich dem Grossen ist nicht sehr detailliert, zeigt aber die allgemein bekannten Gesichtszüge des Herrschers auf. Die zweite Medaille ist zwar sehr detailliert in allen Einzelheiten dargestellt, jedoch Friedrich der Grosse ist (für mich zumindest) nicht charakteristisch zu erkennen. Es könnte genauso gut die Darstellung von Queen Mum sein.

Weiterhin wird der numismatische Wert einer Medaille durch den Ausgabeanlass bestimmt. Eine Ehrenbürgermedaille ist ohne Zweifel zu einem besonderen Anlass hergestellt worden. Die zweite Medaille besitzt keinen solchen hervorragenden Anlass, sondern die Prägeanstalt selbst hat sich beauftragt etwas zu schaffen, um Friedrich den Grossen selbst oder preußische Herrscher zu ehren.

Die Ehrenbürgermedaille erzielte auf der 20. Auktion WAG einen Zuschlag von 120 €. Die zweite Medaille soll laut Gödes „Deutschem Medaillen Katalog“ einen Wert von 58 DM (29 €) haben. Ich glaube nicht, dass dieser Wert jemals in eBay erzielt wurde. Ende 2006 wurde diese Medaille im US eBay angeboten. Sie wurde selbst für ein niedriges Anfangsgebot von US $ 8,88 (7,33 €) nicht ersteigert.

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Eine Auflistung von möglichen Sammelgebieten enthält die Publikation von Walter Grasser:

Medaillen und Plaketten, Heyne Sachbuch 4647, ISBN 3-453-41319-9