Medaille

Medaille

(Auszug aus dem Münzlexikon von Reppa)

Als Medaille bezeichnet der Numismatiker münzähnliche Erinnerungsstücke, die im Gegensatz zur Münze keinen Geldcharakter haben. Das Wort stammt ursprünglich vom lat. „metallum“ (ital. medaglia) und wurde über die französische Bezeichnung „médaille“ in die deutsche Sprache übernommen. Die antiken Vorläufer der Medaillen sind die Medaillons und Kontorniaten aus der römischen Kaiserzeit, die Schau- und Erinnerungsstücke waren, auch wenn sie teilweise anderen Zwecken dienten. Auch zur Zeit der germanischen Völkerwanderung entstanden Stücke mit Medaillencharakter, wie die frühen nordischen Goldbrakteaten. Im Übergang vom 14. zum 15. Jh. gab es auch vereinzelt Stücke in Flandern und Italien (Carrara-Medaillen), die als Vorläufer der eigentlichen Renaissance-Medaillen gelten, aber meist noch mit mittelalterlich-religiösem Charakter behaftet sind.
Die ersten eigentlichen Medaillen entwickelten sich in der italienischen Renaissance im 15. Jh. (Quattrocento) im Geist des Humanismus. Die lebensecht dargestellten Porträts, die sich auf den Vs.n der Porträtmedaillen finden, lösen die religiösen Stifterbildnisse auf mittelalterlichen Geprägen ab. Die Verschiebung des Blickwinkels vom asketisch-religiösen zum weltlich-sinnlichen Wesen der dargestellten Person ist Ausdruck des Wertewandels, den der Beginn der Neuzeit mit sich bringt. Die Signatur des Medailleurs zeugt, ebenso wie das Selbstporträt, für das gestiegene Selbstbewusstsein des Renaissance-Künstlers. Dargestellt wurden zunächst die auftraggebenden Fürsten, später auch Patrizier und das reiche Bürgertum, letzteres vor allem in Deutschland seit dem 16. Jh. Zunehmend wurden auch Dichter, Maler, Gelehrte und andere Persönlichkeiten auf den Geprägen dargestellt.
Als erster Medaillenkünstler, der im Stil der Renaissance Medaillen fertigte, gilt der italienische Maler und Zeichner Antonio Pisano (1395 – ca. 1455). Seine Medaillen stehen von Beginn an auf höchstem künstlerischen Niveau, die Kunstfertigkeit der Darstellung seiner Medaillen-Rückseiten wurde später nur noch selten erreicht. In der Folgezeit beschäftigten sich vor allem Goldschmiede (u.a. Caradosso, Cellini und Enzola), seltener Bildhauer (Sperandio), aber auch Dilettanten wie der Staatsmann Candida mit der Medaillenkunst. Die Quattrocento-Medaillen aus Bronze oder Edelmetallen wurden meist aus Wachs modelliert und in Bronze gegossen, bald kam es auch zu ersten Medaillen-Prägungen. Der deutsche Maler Albrecht Dürer schnitzte die Modelle in Holz, neben steingeschnittenen Modellen das gebräuchlichste Modellierungsverfahren der deutschen Medaillen. Die Zentren der frühen deutschen Medaillenherstellung lagen in Augsburg und Nürnberg. Mit dem Aufkommen der Suitenmedaillen (seit dem 16. Jh.) entstanden mehr geprägte als gegossene Medaillen. Durch die Medaillenprägung wurden größere Auflagen möglich. Neben die Personenmedaillen traten die Ereignismedaillen. Im Barock breitete sich die Medaille in allen europäischen Ländern aus und brachte, ebenso wie später im Rokoko, Klassizismus und Jugendstil, eine Blüte der Medaillenkunst hervor und konnte sich von Zeiten, in denen sie ein eher kümmerliches Dasein fristete, wieder erholen (siehe z.B. Münchner Medaille)
Es gibt Medaillen nicht nur aus edlen und unedlen Metallen, sondern auch aus Elfenbein, Porzellan, Stein und Holz. Die Verbesserung der Prägetechnik brachte seit dem 19. Jh. eine Massenproduktion hervor, bei der allerdings oftmals die künstlerische Qualität litt. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg wurde über Banken und Geldinstitute eine ganze Reihe kommerzieller Erzeugnisse vertrieben, deren künstlerischer Anspruch auf der Strecke blieb. In neuerer Zeit versuchen einige Medailleure mit der Rückkehr zur Gussmedaille oder durch originelle Formgebung der Medaille einen angemessenen Platz neben den neueren darstellenden Künsten (Fotografie, Film) zurückzugewinnen.

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